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Bio german

Es gibt eine gute Methode, um die Bühnenpräsenz einer Künstlerin zu erkennen: Lass sie eine Showtreppe hinuntergehen. Wenn die Sängerin Dacia Bridges die Showtreppe herunterkommt, halten die Menschen den Atem an. Sie sind nicht mehr sicher, was vor ihren Augen passiert. Die Antwort auf das Rätsel: Dacia hat alles, was eine Entertainerin ausmacht. Als Performerin im Rock’n’Roll ist sie so überzeugend wie als Storyteller im Songwriting. Dacia Bridges, im US-Staat Michigan als Tochter einer schwarzen Mutter und eines weißen Vaters mit Cherokee-Einflüssen geboren, trat schon mit neun Jahren vor Publikum auf. Sie wurde in der Schule entdeckt und als Break Dancer von Coca Cola in New Mexiko engagiert. Von diesem Tag an blieb sie der Bühne treu. Sie tanzte in zahlreichen Fashion Shows, unter anderem für Nike, Adidas, Joop, Mercedes, BMW. Den Rhythmus, das Gefühl für die Performance im Blut, wurde sie Musikerin. Sie lernte Gitarre, schulte ihre außerordentliche Stimme. Schon als sie anfing, eigene Songs zu schreiben, sagte sie: „Ich bin Musikerin, Entertainerin, und ich werde nie etwas anderes tun.“ Der rumänische Name Dacia, sagen manche, ist ein anderes Wort für Rock’n’Roll. Mit ihrem Vater, einem GI, kam sie nach Deutschland. Sie tourte schon früh mit Bands wie Limp Bizkit, Disturbed und Die Ärzte, trat bei den Festival-Klassikern Rock im Park und Rock am Ring auf und erzielte international Aufmerksamkeit. 2002 kletterte ihr Song „I Begin To Wonder“ auf Nummer eins der Charts. Das Lied wurde erfolgreich von Kylie Minogues Schwester Dannii Minogue gecovert und 2008 erneut veröffentlicht. Wenig später tauchte Dacia mit ihrem Song „Bounce“ auf dem Mousse T-Album „All Night Madness“ auf. Trotz ihres endgültigen Wechsels nach Deutschland und ihrer zornigen Blicken auf die Regierung Bush ist ihre künstlerische Arbeitsweise durch und durch amerikanisch. Sie kennt keine Stilgrenzen, ist aufgeschlossen gegenüber Fremdem. Sie liebt die Genialität von Prince und verneigt sich vor der Stimme von David Lee Roth. Ihr Weg aber ist immer der amerikanische: Do your own thing. Mögen Dacia & The WMD (Weapons of Mass Destruction) anfangs noch ein „Projekt“ gewesen sein, es bestätigt die Künstlerin nur in ihrem Lebensplan, als Sängerin und Frontfrau in der eigenen Band zu spielen. Als Dacia & The WMD ihr gleichnamiges Debüt-Album veröffentlichten, überraschte die Band mit ihrer Vielseitigkeit. Obwohl die Musiker genüsslich mit Stilen spielen, kommt der Sound aus einem Guss, ob poppig-elektronisch oder kompromisslos wie Heavy Metal. Und Dacia besingt die „Rockabilly Bitch“. In welcher Liga die Sängerin zu Hause ist, beweist sie bereits auf diesem Album: Zusammen mit der Motörhead-Legende Lemmy Klimister nahm sie den Song „Losing You“ auf. Wunderbar vereinen sich die Kontraste – Lemmys raue, rauchige, Dacias sanfte, betörende Stimme – zu einem großen Duett. Das Album wurde von dem Briten Ace Kent (Skunk Anansie) produziert und von dem DänenTommy Hansen (Halloween, Pretty Maids) abgemischt. Auf der Tour zum Album traute das Publikum seinen Augen nicht: Dacia vereinnahmt die Leute mit einer explosiven Mischung aus Wildheit, Eleganz und Schönheit. Sie bricht mit prickelnder Sanftheit die Wucht des Gitarrensounds. „Ich nenne es Rock’n’Roll“, sagt sie und lacht. Sie lacht oft und laut, auch darüber, dass ihr manche das Etikett „Madonna des Hardrock“ anhängen. „Schubladen“, sagt sie, „sind ein deutsches Problem.“ Es war ein Akt der Konsequenz, als sie unter ihrem vollen Namen Dacia Bridges auch ihre eigene Acoustic Band gründete – und wie bei WMD spielt ihr Mann Alex die Lead Guitar. „Die akustische Gitarre hat fantastische Möglichkeiten“, sagt er. Mit dieser Band ging Dacia Bridges bei großen Galas auf die Bühne. Das Publikum reagierte fühlbar ergriffen, als die Rock-Lady die Showtreppe herunterschwebte, um ihre Ehre nicht nur großen Songwritern wie Leonard Cohen zu erweisen, sondern auch eigene Balladen vorzutragen. Inzwischen ist Dacia mit komplett neuem Material im Studio und arbeitet an ihrem Acoustic- Album. Auch in diesem Genre beeindruckt die Substanz ihrer Songs. Die Sängerin springt nicht berechnend zwischen den Nischen hin und her, sie verkörpert als Entertainerin eine Haltung: Mögen manche Leute laute und leise Musik unterscheiden. In Wahrheit geht es immer um gute Musik, um gute Songs. Und vielleicht auch um Dacias Leidenschaft, mit einer Harley durch halb Amerika zu fahren, um danach japanisch zu essen. Man nennt das Stil.

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